Offener Brief zweier Fachschaften

Sehr geehrter Herr Dr. Nonne, sehr geehrte Frau Prof. Dr. Krause,

wir kennen Sie beide als souveräne Persönlichkeiten, die in schwierigen Situationen zwar oftmals die aus unserer Sicht falschen Positionen vertreten, dabei allerdings die Größe besitzen, die äußere Form zu wahren. Über Ihr Verhalten im Rahmen der Besetzung der alten Augenklinik sind wir allerdings empört.

Uns ist bewusst, dass es nicht in Ihrem direkten Interesse sein kann, ein solches Gebäude wie die alte Augenklinik selbstorganisierten Gruppen zur Verfügung zu stellen. Nicht nachvollziehbar für uns ist jedoch Ihr Unwille, sich auf ein Gespräch mit politisch engagierten, friedlichen und vernunftbegabten Menschen einzulassen, ohne zuvor eine Polizeihundertschaft ins Haus zu schicken.

Die von Ihnen aufgestellte Forderung, unbeschränkten Zugang von Personal zur Beaufsichtigung im Haus zu dulden, war – nicht zuletzt aus Selbstschutz – von Anfang an unerfüllbar. Dies hätten Sie wissen müssen oder es war Ihnen sogar bewusst. Die Besetzer*innen der alten Augenklinik haben sich basisdemokratisch organisiert. Sie haben stets den Kontakt zu Ihnen gesucht und Kommunikationsbereitschaft signalisiert, ihre gemeinsamen
Entscheidungsprozesse im Plenum benötigten allerdings Zeit. Dass Sie diese Tatsache als fehlende Verhandlungsbereitschaft und “auf Zeit spielen” dargestellt haben, sagt viel über Ihr Verständnis von
demokratischen Strukturen und über Ihren eigenen Führungsstil aus.
Als Fachschaft waren wir weder bei Organisation noch Durchführung der Besetzung mit dabei. Allerdings halten wir Ihr Verhalten gegenüber den anwesenden Studierenden für  bezeichnend. Die Tatsache, dass Sie, ohne jede Not und anscheinend ohne zu zögern, jegliche Gesprächsbereitschaft von Student*innen
derselben Universität, deren höchste Organe Sie bekleiden, von Einsatzkräften aus dem Weg räumen lassen, bedroht die Grundlage eines universitären Lebens auf demokratischer Basis.

Eine offene und transparente Kommunikation ist aus unserer Sicht für eine weitere Zusammenarbeit unerlässlich. Aus diesem Grund fordern wir Sie dazu auf, in Zusammenarbeit mit Studierenden ernsthafte Vorschläge zum Umgang mit der Wohn- und Sozialraumproblematik zu entwickeln. Wir sehen Sie als
Universitätsleitung in der Pflicht, etwas Konstruktives gegen die Wohnungsnot beizutragen.

Wir erwarten von Ihnen, dass Sie uns als Studierenden gegenüber Ihre Bereitschaft kommunizieren, unsere Anliegen in Zukunft ernst zu nehmen und dass Sie jederzeit in einen ergebnisoffenen Diskurs mit uns treten, ohne auf den Einsatz der Staatsgewalt zurückzugreifen, sobald es für Sie politisch unbequem wird.
Außerdem fordern wir, die Anzeigen wegen Hausfriedensbruch Ihrerseits gegen die Besetzer*innen der ehemaligen Augenklinik fallen zu lassen.

Wir hoffen, dass Sie diesen Vorfall zum Anlass nehmen, in Zukunft wieder in demokratischer Weise mit der Studierendenschaft in Dialog zu treten.

Die Aktive Fachschaft Politikwissenschaft
Fachschaft Kultur und Sozialanthropologie

http://www.aktivefachschaftpolitikwissenschaft.de/?p=2545

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